18. Februar 2005
Death Games (1996)
Directed by:
Action Director:
Cast: Fan Siu Wong, Kim Marie Penn, Ngai Sing, Billy Chow, Leung Kar Yan
Ich hätte nicht gedacht, dass man in einem Film aus dem Jahre 96 noch so 90er Jahre typische Action vorfinden kann. In Death Games werden wir davon aber deutlich überzeugt, nicht allein deshalb, weil es Fan Siu Wong echt drauf hat und völlig unausgenutzt zwischen den bekannteren Actiondarstellern untergehen muss- leider!
Hier darf er dann aber mal ran und er demonstriert uns, dass er sich in allen Actionstilen meisterlich auskennt und diese beherrscht.
Dieser Film strotzt vor Kampfszenen, gleich zu Beginn – noch während der Vorspann abläuft – hat Fan Siu Wong bereits einen Waffen- Zweikampf (es gibt Gerüchte, dass er gegen den Action Director kämpft…), gefolgt von einer Taekwon Do Demo.
Dieser erste fight ist vielleicht der beste im ganzen Film: Unterstützt durch einen dezenten Wushueinschlag von Wong sind beide mit Tonfas bewaffnet und zeigen uns kreative moves. Auch der akrobatische Teil kommt keineswegs zu kurz, was mir persönlich ja sehr gefällt. Wong kann treten, er kann Saltos schlagen und er kann mit Waffen umgehen. Aber auch sein Gegner versteht sein Handwerk. Zudem geht dieser Kampf sehr lange, die Kameraarbeit ist vorbildlich. Einzig die Musik gefällt mir nicht besonders, sie hätte für meinen Geschmack etwas fetziger sein können. Man erkennt, dass sich die Beteiligten für diesen Kampf noch sehr viel Mühe gegeben haben, derer es in den späteren Kämpfen ein wenig mangelt- dies vielleicht fehlender Zeit wegen. Auf jeden Fall ein einstimmender Auftakt, mit dem ich keineswegs gerechnet hatte.
|
|
Die anschließende TKD Demo präsentiert uns dann wirklich abwechslungsreiches Material: Wong muss sich gegen 4 weißgekleidete TKD Kämpfer bewähren. Natürlich sehen wir hier überwiegend Tritte (was natürlich positiv zu bewerten ist), aber was mir vor allem an diesem Kampf gefällt, ist die komplexe Choreographie, der es nicht an Logik fehlt. Der ganze Bewegungsablauf verläuft absolut fließend obwohl diese 4er Choreo sicher nicht einfach war!
Wong hat einen grandiosen Trittmove darin und kombiniert wirklich schwere Tritte miteinander, um die Horde allesamt in den Boden zu schicken.
|
|
Die nächste erwähnenswerte Szene ist eine erste Begegnung zwischen Wong und Marie Penn (die eine von den Bösen spielt): sehr kurz, aber ordentlich. Es gibt eigentlich nur einen Angriffssturm von Marie Penn und Wong macht abschließend 2 Tritte, das war’s.
|
|
Kurz danach treffen sie aber wieder aufeinander und es geht weiter: Hier hat Wong eindeutig die Überhand und was er macht, ist ganz nach meinem Geschmack: sehr schöne Wing Chun short-distance moves. Penn hat irgendwie eine komische Art zu kämpfen. Ihre Schläge wirken immer so lahm und abstoppend, ich weiß auch nicht. Jedenfalls nicht grad schön anzusehen…Als nächstes kommt einer meiner Lieblingsfights: wieder Wong gegen Penn, aber weit besser. Es geht fist-to-fist mäßig los und wir sehen schöne Kombinationen, wobei Penn aber wieder etwas lahm ausschaut. Egal, ich achte eh mehr auf Wongs Action… Sie greift zur Waffe- ein Rope-Dart (Seil mit Pfeil) und kann damit erstaunlich gut umgehen. Wong weicht mit extrem coolen Wushumoves aus. Dann schnappt er sich einen Speer: wunderbar anzusehen, wie er damit hantieren kann und man merkt wirklich, dass Wong sehr viel Kampfsport-Erfahrung besitzt- ein ausgesprochen vielseitiger Kämpfer mit verborgenem Talent. Auch die eingestreuten zoom-standoffs lassen diesen Kampf äußerst dynamisch aussehen.
|
|
Ja, sie kämpfen schon wieder, Wong und Penn und diesmal beide mit einem Schwert bewaffnet. Ist alles wieder sehr Wushu-haft, viel Abwechslung bietet dieser fight nicht grad zu den vorherigen.
Dann wird’s endlich lustig, denn Billy Chow und Ngai Sing als Ober-henchmen reisen an.
Chow und Fan Siu Wong kloppen sich im Wald und es gleich mit Trittmoves los, welche ganz ansehnlich sind, insbesondere einige wire -unterstützte Tritte von Wong. Die Schlagchoreographie ist dagegen recht billig und es gibt vorwiegend Haken und Schwinger.
Ich muss sagen, dass mir die Schlaggeräusche nicht wirklich gefallen, sie schwächen alles eher ab, als dass sie verstärken. Als Stuntman taugt Wong auch allemal, ich hab bis jetzt nicht gesehen, dass er gedoubelt worden wäre. Leider im Ganzen ziemlich viel standardisiertes Zeug, hier und da ein paar kreative Einlagen. Chow stirbt per Fall auf’n Stein, Ende.
|
|
Gegen Ngai Sing geht es da etwas unterhaltsamer zu, nicht allein deshalb, weil Ngai einen tuntigen Japaner spielt. Dabei sehen wir einleitend eine witzige Szene, als Wong ins Lager der Bösen eindringt. Er schleicht sich von hinten an eine ahnungslose Wache ran und tritt ihr einfach mit Schmackes gegen den Kopp.
|
|
Wong hat einfach zugetreten und ihn voll erwischt. Auch die anderen Wachen macht er nach cooler Manier fertig (einen triple kick kann man hier auch bewundern), bis er endlich auf Ngai Sing trifft.
Der Anfang ist ganz witzig: Ngai Sing will Wong zu Tode zwicken und setzt ein paar Kneifattacken an. Haha, nicht falsch verstehen! Das ist nicht so albern und ungewöhnlich, wie es sich anhört. Man kann diese „Techniken“ auch in einigen alten Old school Kung Fu Filmen sehen…
|
|
Dann sehen wir endlich das richtige Zeug. Ngai greift mit interessanten Trittkombinationen an und streut einen 360° Kick mit anschließendem Drehtritt ein. Zwar nicht sehr ordentlich gefilmt, aber schon mal ganz gut. Leider wirkt alles ein wenig "labberig", weil Ngai eine sehr weite Kimono Hose trägt, die Tritte kommen deshalb manchmal nicht so sauber rüber.
Danach ist dann alles auch nicht mehr so solide, wie zu Anfang. Die Tritte (obwohl gar nicht so schwer) werden stark unterschnitten und die häufige Kameraansicht von unten beginnt auch langsam zu stören. Das Ende ist auch nicht sehr überzeugend. Es werden noch mal ein paar Brutalo-schlag-drauf-bis-du-tot-bist- Schläge ausgeteilt und beide liegen nur noch am Boden rum.
|
|
Der Oberböse taucht auf und schießt Ngai tot, weil der so tuntig am Boden rumheult. Dann: der Oberböse (Glatzi) wird von Marie Penn erschossen, weil er auch noch Wong töten will und er selbst schießt noch mit letzter Kraft Marie Penn über den Haufen. Au Mann! Ist alles absolut schlecht und billig gemacht.
|
|
Aber dann kommt noch mal kurz Wong auf den Plan, der dann mit einer wirklich ansehnlichen Trittkombo Glatzi den endgültigen Rest gibt, ihn tottritt und in den Pool katapultiert.
|
|
Eigentlich könnte dann der Film zu Ende sein, aber der Director setzt noch einen drauf. Der Bruder (Pseudokicker) vom toten Glatzi kommt angereist und will Rache. Also kämpfen Wong und er: Pseudokicker kann nix und macht nur eklige und lahme Tritte. Wong dagegen zeigt, dass er auch längere Trittkombos ohne Absetzen beherrscht. Auch seine halbe Bruce Lee Einlage anschließend steht ihm sehr gut. Wong ist sehr schnell und gibt Pseudokicker den Rest. Das heißt, er lässt ihn leben und versucht ihn davon zu überzeugen, dass er seinen toten Bruder (Glatzi) nicht getötet hat. Wong zieht ab und der Abspann läuft an.
|
|
Wie schon erwähnt, bietet dieser Film action-technisch eine ganze Menge. Dabei werden die Stile auch sehr variiert, sodass man einen Einblick davon bekommt, was Wong so alles beherrscht. Leider zieht Marie Penn die Qualität ein wenig herunter. Die Quantität macht’s dann aber letztendlich. Deshalb:
4.5/5
reviewed by Hideyoshi